Biografie


1983 at the Kronenhalle in Zurich with Jörg Immendorff, Ulrike Harbig, Bernd Koberling, Peer Kirkeby and Johannes Gachnang. Photo: Benjamin Katz

 

Die Anfänge.

Hans Peter Riegel, geboren am 22. November 1959 in Düsseldorf, ist Autor, Medienkünstler, Fotograf, Filmemacher, Kurator, Kulturproduzent, Unternehmer und strategischer Berater. Sein beruflicher und künstlerischer Weg verbindet Bereiche, die häufig getrennt voneinander betrachtet werden: freie Kunst und angewandte Gestaltung, Medien und Technologie, Unternehmertum und Kultur, kunstwissenschaftliche Forschung und gesellschaftspolitische Auseinandersetzung. Diese Vielseitigkeit ist weniger das Ergebnis voneinander unabhängiger Tätigkeiten als Ausdruck eines über Jahrzehnte entwickelten Interesses an der Frage, wie Bilder, Medien und Erzählungen die Wahrnehmung von Menschen und Gesellschaften beeinflussen.

Riegel wuchs in Düsseldorf in einem kunstinteressierten familiären Umfeld auf. Die Stadt gehörte in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den wichtigsten europäischen Zentren der zeitgenössischen Kunst. Die Kunstakademie Düsseldorf, die Galerie- und Museumsszene sowie Künstler wie Joseph Beuys, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Günther Uecker, Nam June Paik und die später als «Neue Wilde» bekannt gewordene Generation prägten das kulturelle Klima. Für Riegel war Kunst deshalb bereits früh nicht nur ein Gegenstand ästhetischer Betrachtung, sondern Teil eines gesellschaftlichen und politischen Diskurses.

Frühe Begegnungen mit Joseph Beuys und Jörg Immendorff.

1973 kam Riegel über seinen Kunstlehrer Wilfrid Polke, den älteren Bruder des Künstlers Sigmar Polke, erstmals mit Joseph Beuys in Kontakt. Als dreizehnjähriger Gymnasiast interviewte er Beuys für eine Schülerzeitung. Diese frühe Begegnung wurde für seinen weiteren Lebensweg bedeutsam. Beuys verkörperte ein erweitertes Kunstverständnis, das künstlerisches Handeln mit gesellschaftlicher Veränderung, Politik, Bildung und individueller Verantwortung verband. Riegel setzte sich später kritisch mit vielen weltanschaulichen und politischen Vorstellungen des Künstlers auseinander. Der grundlegende Gedanke, dass Kunst in gesellschaftliche Wirklichkeiten eingreifen könne, blieb für ihn jedoch prägend.

1975 begegnete Riegel während eines schulpolitischen Projekts dem Beuys-Schüler Jörg Immendorff. Immendorff hatte sich in den vorangegangenen Jahren mit seinen politischen Aktionen, den «LIDL»-Projekten und seiner ausdrücklich gesellschaftsbezogenen Kunst einen Namen gemacht. Zwischen Riegel und Immendorff entwickelte sich zunächst eine enge persönliche Beziehung, später auch eine intensive Arbeitsgemeinschaft.

Nach einem Praktikum im Bereich Bühnenbild am Düsseldorfer Schauspielhaus arbeitete Riegel von 1979 bis 1984 als Assistent Immendorffs. Gleichzeitig wurde er zu dessen fotografischem und filmischem Dokumentaristen sowie zum Partner bei Projekten, Aktionen und Publikationen. Die Zusammenarbeit fiel in eine entscheidende Phase von Immendorffs Laufbahn: Der Künstler erlangte mit seinem Werkzyklus «Café Deutschland» zunehmend internationale Aufmerksamkeit und bewegte sich zwischen politischer Agitation, Malerei, Medieninszenierung und wachsendem Kunstmarkterfolg.

Riegel war massgeblich daran beteiligt, Immendorff als Künstlerpersönlichkeit zu popularisieren, indem er die Medienarbeit um Immendorff steuerte, Projekte initiierte und managte, inszenierte Fotografien schuf sowie Plakate und Ausstellungskataloge gestaltete. Gleichzeitig dokumentierte er diesen Prozess aus unmittelbarer Nähe. Er war an Projekten wie «FF bringts», «Café D. gut», «Weltfrage – Video und Edition», «38., 39., 40. Parteitag» und «La Paloma – Kapelle am Wegesrand» beteiligt. Seine Fotografien und Filmaufnahmen hielten nicht nur einzelne Werke und Ereignisse fest, sondern zeichneten ein Bild des künstlerischen Umfelds jener Jahre. Durch Immendorff begegnete er zahlreichen Protagonisten der internationalen Kunstszene, darunter Joseph Beuys, Georg Baselitz, A. R. Penck, Markus Lüpertz, Per Kirkeby, Julian Schnabel und viele andere Künstler, Galeristen, Kritiker und Kuratoren.

Die Jahre mit Immendorff vermittelten Riegel einen unmittelbaren Einblick in die Mechanismen des Kunstbetriebs: in das Zusammenspiel von künstlerischer Produktion, öffentlicher Inszenierung, Markt, Medien und persönlicher Mythologie. Diese Erfahrungen wurden Jahrzehnte später zu einer wesentlichen Grundlage seiner Arbeit als Biograf, Künstler und Kunstförderer. Sie schärften zugleich seine Skepsis gegenüber idealisierten Künstlerbildern und einer Kunstgeschichtsschreibung, die biografische Widersprüche zugunsten einer geschlossenen Legende ausblendet.

Studium, Fotografie und audiovisuelle Medien.

Schon im Teenageralter arbeitete er als Redakteur der Kulturzeitschrift «Überblick». Dort lernte er Jochen Hülder, den späteren Manager der Toten Hosen, kennen, mit dem ihn später eine Geschäftspartnerschaft und Freundschaft verbanden. Damals organisierte er auch Konzerte im legendären Düsseldorfer Club Ratinger Hof und war selbst ein populärer DJ.

Von 1980 bis 1984 studierte Riegel an der Hochschule Düsseldorf – University of Applied Sciences bei Helfried Hagenberg und Dieter Fuder Visuelle Kommunikation mit den Schwerpunkten Fotografie, Film und audiovisuelle Medien sowie Kunstwissenschaft. Er schloss sein Studium als Master of Arts (M.A.) ab. Ergänzend belegte er Lehrveranstaltungen im Fach Philosophie an der Universität Düsseldorf. Das Studium verband gestalterische Praxis mit theoretischer Reflexion und fiel in eine Zeit, in der sich die Grenzen zwischen Fotografie, Film, Video, Grafikdesign und freier Kunst zunehmend öffneten.

Zunächst arbeitete Riegel mit Malerei. Bald verlagerte sich sein Interesse jedoch auf Fotografie, Film, Video und später auf digitale Medien. Ihn beschäftigte weniger das autonome Einzelbild als dessen Funktion innerhalb medialer und gesellschaftlicher Zusammenhänge. Bereits in dieser frühen Phase zeigte sich ein Grundmotiv seiner späteren Arbeiten: die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Individuum, Bild, öffentlicher Wahrnehmung und technologischer Vermittlung.

Nach Abschluss des Studiums und einem längeren Aufenthalt in New York beendete Riegel 1984 seine kontinuierliche Tätigkeit für Immendorff. Der Kontakt zwischen beiden blieb zunächst bestehen. Zugleich entschied er sich, seine Kenntnisse der visuellen Kommunikation ausserhalb des klassischen Kunstbetriebs einzusetzen. Riegel begleitete Immendorff weiterhin punktuell als Berater, Projektpartner und fotografischer Chronist sowie in späteren Jahren als Geldgeber.

Karriere in Werbung und Kommunikation.

1984 begann Riegel seine Laufbahn in der Werbung als Art Director und Texter bei GGK Düsseldorf, einer der damals kreativ einflussreichsten Agenturen im deutschsprachigen Raum. Mit 24 Jahren war er der jüngste Art Director der Agentur. Später arbeitete er unter anderem für GGK in Paris, Zürich und Basel sowie für Lowe/Lürzer und Brindfors. In den folgenden Jahren übernahm er zunehmend Führungs- und Managementaufgaben und wurde Creative Director, Geschäftsführer und Teilhaber von Agenturen innerhalb der internationalen Netzwerke BBDO und Publicis.

Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Art Directors Club Deutschland und vom Art Directors Club Schweiz sowie mit Clio Awards. 1985 erhielt er den Deutschen Druckschriften-Preis in Gold und den Ehrenpreis des Berliner Senats. Später gehörte er der Jury des Cannes Lions International Advertising Festival an und wirkt bis heute als Juror des Art Directors Club Schweiz.

Die Jahre in der Werbe- und Kommunikationswirtschaft erweiterten Riegels Verständnis der gesellschaftlichen Wirkung von Bildern. In der freien Kunst hatte er erlebt, wie Künstler ihre öffentliche Identität entwickelten und wie Mythen um Personen und Werke entstanden. In der Werbung lernte er, wie Wahrnehmung gezielt strukturiert, Aufmerksamkeit erzeugt und eine Idee auf eine präzise visuelle und sprachliche Form reduziert wird. Gleichzeitig beschäftigte ihn zunehmend die Frage, ob klassische Werbung angesichts veränderter Medien, Märkte und gesellschaftlicher Erwartungen weiterhin in der Lage sei, komplexe unternehmerische Probleme zu lösen.

Riverside und der Übergang zur strategischen Beratung.

Seit 1989 lebt Riegel in Zürich; die Stadt wurde zum dauerhaften Zentrum seiner privaten wie auch unternehmerischen und künstlerischen Tätigkeit. 1992 nahm er zusätzlich Wohnsitz in Düsseldorf und gründete dort mit dem Werbeberater Frank Bettzüge BRP – Bettzüge Riegel Partner.

Das Unternehmen war eine innovative Neukonzeption der Werbeagentur. Kernidee war, wenige, jedoch erstklassige Kreative und Berater als Overhead zu beschäftigen, während alle Umsetzungsbereiche an externe Partner ausgelagert wurden. Nach diesem Konzept wurde später auch Riverside strukturiert. BRP war in kurzer Zeit hochprofitabel, sodass der Global Player Publicis bereits 1993 eine Mehrheitsbeteiligung erwarb. Riegel wechselte gleichzeitig als CEO und Gesellschafter zur Grossagentur Publicis/FBC nach Hamburg.

1997 zog sich Riegel aus der klassischen Werbebranche zurück. Dieser Schritt war nicht als Abkehr von Kommunikation und Gestaltung zu verstehen, sondern als Konsequenz aus der Überzeugung, dass kommunikative Massnahmen nur dann dauerhaft wirksam sein können, wenn sie aus einer klaren Unternehmensstrategie, einer glaubwürdigen Identität und einem fundierten Verständnis gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen hervorgehen.

Riegel wandte sich verstärkt digitalen und multimedialen Anwendungen zu. Bereits 1992 war er massgeblich an der Entwicklung eines «Powerhouse»-Konzepts für Apple beteiligt, einer frühen Studie für neuartige Markenerlebnisräume. Aus diesem Umfeld entstand später «The Garden» in Düsseldorf, ein von Riegel konzipiertes multimediales Veranstaltungszentrum, das Internetanwendungen, Live-Fernsehen, Telekommunikation, Unterhaltung und physische Begegnung miteinander verband. Das Projekt entstand zu einer Zeit, als das World Wide Web noch am Anfang seiner öffentlichen Verbreitung stand. Es nahm damit Entwicklungen vorweg, die später als «Experience Design», hybride Kommunikation oder digitale Markenwelt bezeichnet wurden.

Bereits 1995 hatte Riegel in Zürich die Riverside AG gegründet. Das Unternehmen war zunächst als private Beteiligungsgesellschaft angelegt, konzentrierte sich jedoch zunehmend auf Projekte an den Schnittstellen von Strategie, Medien, Technologie, Entertainment und Kultur.

Ein frühes Beispiel für diesen strategischen Beratungsansatz war seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Modeunternehmer Otto Kern. Von 1997 bis 2000 beriet Riegel Kern bei der grundlegenden Neuausrichtung seines Unternehmens. Im Mittelpunkt stand die Umwandlung des defizitären eigenen Produktionsbetriebs in ein wirtschaftlich erfolgreiches Lizenzunternehmen. Der Wechsel von einer kapital- und produktionsintensiven Unternehmensstruktur zu einem auf Markenführung und Lizenzpartnerschaften ausgerichteten Geschäftsmodell trug wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilisierung und erfolgreichen Weiterentwicklung des Unternehmens bei.

Mit Riverside beriet Riegel darüber hinaus Unternehmen aus der Medien-, Computer-, Internet-, Mode-, Musik- und Entertainmentbranche. Daneben beteiligte er sich an frühen Digitalunternehmen und entwickelte neue Medien- und Kulturformate. Zu seinen Tätigkeiten in dieser Phase gehörte auch die strategische Begleitung des Börsengangs von Pixelpark, einer Bertelsmann-Beteiligung, die seinerzeit als grösste europäische Internetagentur galt.

Medien-Manager.

Von 1998 bis Ende 2001 war Riegel als CEO und Partner der EPM Media Group tätig. Hierfür reduzierte er sein Engagement bei seinem eigenen Unternehmen Riverside. EPM bestand aus diversen Unternehmen der Event- und Digitalbranche und arbeitete in den Bereichen digitale Medien, Entertainment und Kulturproduktion. In seiner Funktion verantwortete Riegel zahlreiche Medien- und Liveproduktionen. Dazu gehörten 1999 Konzertveranstaltungen mit den Wiener Philharmonikern in Wien und Berlin, die weltweit im TV übertragen wurden, sowie rund 1’200 weitere Produktionen mit Stars wie Alicia Keys, Deep Purple, Simple Minds, The Verve, Moby, Whitney Houston, Pet Shop Boys oder Tina Turner.

Diese Produktionen verlangten nicht nur organisatorische und wirtschaftliche Erfahrung, sondern auch ein Verständnis für die besonderen Anforderungen internationaler Kulturereignisse: die Verbindung von künstlerischem Anspruch, medialer Übertragung, technischer Umsetzung, Finanzierung und öffentlicher Wahrnehmung.

In dieser Phase plante Riegel eine weitreichende Zusammenarbeit mit SFX, dem damals weltweit führenden amerikanischen Konzertveranstalter. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und ihre unmittelbaren Folgen für die internationale Veranstaltungswirtschaft verhinderten jedoch den Abschluss des vorgesehenen Geschäfts. Der Konzertbetrieb brach nach den Anschlägen nahezu vollständig ein; internationale Tourneen und Grossveranstaltungen wurden abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben.

Diese tiefgreifende Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen war neben weiteren Überlegungen ein wesentlicher Grund für Riegels Entscheidung, die EPM Media AG Ende 2001 auf eigenen Wunsch zu verlassen. Spätere Entwicklungen des Unternehmens fanden erst nach seinem Ausscheiden und ohne seine Beteiligung statt. Anschliessend konzentrierte er seine berufliche Tätigkeit wieder auf Riverside und auf ausgewählte Beratungsmandate. Bis 2010 arbeitete er insbesondere für Unternehmen und Persönlichkeiten aus Mode, Medien, Musik und Entertainment. Parallel dazu begann er, seine eigene künstlerische Arbeit systematisch wiederaufzunehmen.

SIS.TM – das Internet als Gegenstand der Kunst

Ab 2002 entwickelte Riegel unter dem Pseudonym SIS.TM ein umfangreiches Kunstprojekt, das sich kritisch mit dem Internet und der beginnenden digitalen Sozialisierung auseinandersetzte. Zu diesem Zeitpunkt wurden soziale Netzwerke, digitale Selbstdarstellung und algorithmisch geprägte Kommunikationsräume noch kaum als grundlegende kulturelle Veränderungen wahrgenommen. Riegel erkannte früh, dass das Internet nicht lediglich ein neues Verbreitungsmedium war, sondern die Identität, Wahrnehmung und sozialen Beziehungen der Menschen verändern würde.

SIS.TM untersuchte, wie sich Individuen in digitalen Räumen inszenieren, wie virtuelle Identitäten entstehen und wie die zunehmende mediale Vernetzung das Verhältnis zwischen privater und öffentlicher Existenz verschiebt. Das Projekt umfasste Videoarbeiten, Fotografie, digitale Bilder, Texte und konzeptuelle Interventionen. Die Entscheidung, unter einem Pseudonym zu arbeiten, war Teil des Konzepts: Die Person hinter dem Werk sollte zunächst verschwinden, während zugleich die Mechanismen digitaler Identitätsbildung sichtbar gemacht wurden.

Damit gehörte Riegel zu den frühen Künstlern, die das Internet zugleich als Medium, sozialen Raum und Gegenstand kritischer künstlerischer Untersuchung begriffen. Das Projekt fand auch ausserhalb des engeren Kunstbetriebs Beachtung und wurde unter anderem in der Hauptausgabe der Schweizer «Tagesschau» vorgestellt.

Arbeiten aus dieser Phase wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Dazu gehörten 2007 die Ausstellungen «Augenzeugen» im Seedamm Kulturzentrum in Pfäffikon und «Aggression» in der Kunsthalle Winterthur. Die im Rahmen von SIS.TM entstandenen poetischen und essayistischen Texte erschienen unter dem Titel «Flickering Subjects» und wurden 2018 erneut veröffentlicht. 2008 erklärte Riegel das Projekt SIS.TM für beendet. Die darin behandelten Fragen – digitale Identität, mediale Manipulation, Überwachung, soziale Fragmentierung und die Macht technologischer Systeme – blieben jedoch zentral für seine weitere künstlerische und kuratorische Arbeit.

Autor und kritischer Chronist des Kunstbetriebs.

Nach dem Ende von SIS.TM intensivierte Riegel seine Arbeit als Autor, Journalist und kunsthistorischer Rechercheur. Er veröffentlichte Beiträge und Interviews über Kunst, Künstlerbiografien und kulturpolitische Fragen in Medien wie der «NZZ», «Die Welt», «Der Spiegel» und «Focus». Seine publizistische Arbeit war von derselben Haltung geprägt, die bereits seine fotografischen Dokumentationen bestimmt hatte: Künstler sollten weder auf ihre öffentliche Selbstdarstellung reduziert noch durch nachträgliche Legendenbildung verklärt werden.

2010 veröffentlichte Riegel mit «Immendorff – Die Biographie» eine kritische Lebensbeschreibung seines früheren Weggefährten. Ergänzt wurde sie durch den Bild- und Dokumentationsband «Inside Immendorff». Die Bücher beruhten auf persönlichen Erfahrungen, Fotografien, Dokumenten, Gesprächen und langjährigen Recherchen. Riegel beschrieb Immendorff nicht nur als bedeutenden Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst, sondern auch als widersprüchliche Persönlichkeit, deren politischer Anspruch, öffentliches Auftreten und spätere Selbstinszenierung nicht voneinander zu trennen seien.

Die Darstellung löste kontroverse Reaktionen aus. Gerade ihre persönliche Nähe und ihre schonungslose Perspektive unterschieden sie von konventionellen Künstlerbiografien. 2018 erschien eine aktualisierte und erweiterte Neuausgabe mit zusätzlichen, zuvor unveröffentlichten Fotografien.

Die Biografie über Joseph Beuys.

2013 folgte «Beuys – Die Biographie». Das zunächst im Aufbau Verlag veröffentlichte Werk wurde zum bekanntesten Buch Riegels und löste eine weit über den deutschsprachigen Kunstbetrieb hinausreichende Debatte aus. Für die Biografie wertete er umfangreiche Archivalien, historische Dokumente, militärische Unterlagen, Briefe, Reden, Interviews und zeitgenössische Quellen aus. Hinzu kamen seine eigenen Begegnungen mit Beuys und seine Kenntnisse des Düsseldorfer Kunstumfelds.

Im Zentrum stand der Versuch, zwischen dem historischen Joseph Beuys und der von diesem selbst geschaffenen Künstlerfigur zu unterscheiden. Riegel untersuchte unter anderem Beuys’ Jugend im Nationalsozialismus, seine freiwillige Verpflichtung zur Luftwaffe, die Legenden um seinen Flugzeugabsturz auf der Krim, seine Beziehungen zu ehemaligen Nationalsozialisten und nationalkonservativen Kreisen sowie den prägenden Einfluss Rudolf Steiners und der Anthroposophie auf seine gesellschaftlichen Vorstellungen.

Damit widersprach Riegel dem lange dominierenden Bild von Beuys als vorbehaltlos linkem, basisdemokratischem und ökologisch orientiertem Künstler. Er zeigte, dass sich in dessen Denken progressive, esoterische, völkische und autoritäre Vorstellungen auf widersprüchliche Weise verbanden. Zugleich stellte Riegel die künstlerische Bedeutung von Beuys nicht grundsätzlich infrage. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen die unhistorische Verehrung des Künstlers und gegen die Neigung von Institutionen, problematische ideologische Zusammenhänge auszublenden.

Das Buch wurde teilweise heftig angegriffen, von anderen Kritikern jedoch als notwendige Korrektur einer jahrzehntelangen Legendenbildung begrüsst. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hob die präzise Recherche und den aufklärerischen Impuls hervor, während andere Rezensenten Riegels pointierte Interpretation kritisierten. Unabhängig von der jeweiligen Bewertung veränderte die Biografie die Auseinandersetzung mit Beuys nachhaltig. Erkenntnisse, die zunächst bestritten wurden, fanden zunehmend Eingang in wissenschaftliche Publikationen, Ausstellungen und internationale Medienberichte.

2018 legte Riegel eine umfangreich erweiterte Neuausgabe vor. In den folgenden Jahren ergänzte er die biografische Darstellung durch weitere Dokumente, Fotografien, Reden und Interviews. Zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys erschien die Untersuchung schliesslich in vier Bänden. Die Bände eins und zwei enthalten die chronologische Lebensbeschreibung, Band drei versammelt überwiegend zuvor unveröffentlichte Dokumente und Fotografien, während Band vier Beuys’ Weltanschauung und politische Vorstellungen anhand seiner Reden und Interviews analysiert. 2026 wurde das inzwischen rund 1’500 Seiten umfassende Werk erneut überarbeitet und aktualisiert.

Mit dieser langjährigen Forschungsarbeit etablierte sich Riegel als einer der profiliertesten und zugleich streitbarsten Beuys-Experten. Seine Positionen wurden unter anderem in «Der Spiegel», «Die Welt», der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», im «Wall Street Journal», in der «Süddeutschen Zeitung», im «Tages-Anzeiger» und in zahlreichen Rundfunkbeiträgen aufgegriffen.

Heute gilt die Beuys-Biografie von Riegel als Standardwerk zu Beuys, das dessen Rezeption massgeblich verändert hat.

Neben den Künstlerbiografien veröffentlichte er «Über Kunst», eine Sammlung von Texten und Gesprächen unter anderem zu Marina Abramović, Joseph Beuys, Jörg Immendorff, Tina Brown und Diane Keaton.

Rückkehr zu Fotografie, Film und Musik.

Parallel zur schriftstellerischen Arbeit trat Riegel ab 2014 wieder verstärkt mit eigenen fotografischen, konzeptuellen und medialen Arbeiten an die Öffentlichkeit. Seine Fotografien und Installationen kreisen häufig um Wahrnehmung, Erinnerung, Isolation, gesellschaftliche Rollen und die Unsicherheit medial vermittelter Wirklichkeit. Seit 2016 zeigt er seine Arbeiten unter anderem in den renommierten Galerien Bildhalle in Zürich und Pavlov’s Dog in Berlin. Seine Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.

Auch der Film wurde zu einem wichtigen Teil seiner künstlerischen Praxis. 2016 realisierte Riegel mit einem Budget von rund 30’000 Schweizer Franken den essayistischen Dokumentarfilm «Mel. Das andere Leben». Er übernahm dabei mehrere Funktionen, darunter Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Sounddesign, Musik und Produktion. Der Film kam im Februar 2017 in die Kinos.

Anschliessend entstand der experimentelle Spielfilm «Drifted», für den Riegel ebenfalls das Drehbuch schrieb und Regie führte. Er verantwortete darüber hinaus Kamera, Schnitt, Gestaltung und Teile der Musik. Der Film wurde vollständig mit Smartphones gedreht und gehörte damit zu den frühen europäischen Kinoproduktionen, die bewusst auf herkömmliche Filmkameras verzichteten. Die technische Reduktion war nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern Teil des ästhetischen Konzepts: Filmproduktion sollte beweglicher, unmittelbarer und unabhängiger von grossen Produktionsapparaten werden.

2022 setzte Riegel seine Beschäftigung mit Joseph Beuys auch filmisch fort. Der dokumentarische Film «Beuys – Ein deutscher Künstler» verband biografische Recherche mit einer kritischen Betrachtung der öffentlichen Künstlerfigur. In der Datenbank von Swiss Films wird Riegel als Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann, Editor, Komponist, Produzent und Sounddesigner geführt – eine ungewöhnliche Verbindung kreativer und technischer Aufgaben, die seine spartenübergreifende Arbeitsweise charakterisiert.

Neben Kunst, Film und Literatur ist Riegel seit seiner Jugend auch musikalisch tätig. Unter dem Namen AZILE produzierte er Musik für Werbefilme sowie elektronische und experimentelle Soundtracks. Musik erscheint in seiner Arbeit selten isoliert, sondern meist als Bestandteil audiovisueller Erzählungen, Filme, Installationen oder Bühnenprojekte.

Riverside Publishing und Riverside Culture – kulturelles Unternehmertum.

2020 gründeten Hans Peter Riegel und Tanja Hollenstein den Verlag Riverside Publishing sowie Riverside Culture als Produzentin anspruchsvoller Kulturevents.

Der Verlag entstand aus dem Anliegen fachspezifische, kulturelle und soziokulturelle Publikationen auch unter herausfordernden wirtschaftlichen Bedingungen realisieren zu können. Digitale Produktionsverfahren und Print-on-Demand ermöglichen es, Bücher in kleineren Auflagen herzustellen und weitgehend unabhängig von kurzfristigen Marktanforderungen zu publizieren. Ziel ist, Veröffentlichungen zu realisieren, die aufgrund ihres spezialisierten Inhalts oder ihrer anspruchsvollen Ausstattung im traditionellen Verlagsgeschäft nur schwer durchsetzbar wären.

Das Verlagsprogramm soll zukünftig neben eigenen Publikationen von Riegel und Hollenstein, Bücher anderer Autoren und Re-Editionen umfassen. Im Mittelpunkt stehen Biografien, Kunstbücher, kulturhistorische Veröffentlichungen und gesellschaftlich relevante Themen. Die bereits heute bedeutendste Publikation ist vierbändige Ausgabe von «Beuys – Die Biografie».

Im Herbst 2026 veröffentlicht Riverside Publishing erstmals in deutscher Sprache die von dem britischen Autor James Westcott verfasste Biografie über Marina Abramovic, einer der international bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart Westcott lernte die Künstlerin 2002 in New York kennen und arbeitete zeitweise als ihr Assistent. Auf der Grundlage langjähriger Recherchen, zahlreicher Gespräche und seiner unmittelbaren Einblicke in ihr Leben und ihre künstlerische Arbeit zeichnet er ein persönliches und unverstelltes Porträt Abramovics.

Riverside Publishing und Riverside Culture sind Teil einer umfassenderen Vorstellung kulturellen Unternehmertums. Für Riegel und Hollenstein sind künstlerische und publizistische Unabhängigkeit nur möglich, wenn zugleich tragfähige Produktions-, Finanzierungs- und Vertriebsmodelle entwickelt werden. Kulturelle Qualität und wirtschaftliches Denken betrachtet Riegel dabei nicht als Gegensätze. Vielmehr müssen Strukturen geschaffen werden, die es ermöglichen kulturelle Inhalte professionell zu produzieren, öffentlich sichtbar zu machen und langfristig zugänglich zu halten.

Vor allem die Erfahrungen von Hans Peter Riegel als Autor, Gestalter, Medienproduzent, Unternehmer und strategischer Berater fliessen auch in die Arbeit von Riverside Culture ein. Die innerhalb der Riverside-Gruppe entwickelte Kulturplattform versteht sich als Vermittlerin zwischen Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Politik. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Erforschung, Entwicklung, Kuratierung und Realisierung innovativer kultureller Projekte – insbesondere im Bereich der digitalen Kultur.

Die Projekte werden von der inhaltlichen Idee und der kuratorischen Konzeption über die Finanzierung, Partnersuche und Kommunikation bis zur gestalterischen, medialen und technischen Produktion entwickelt. Auf diese Weise entstehen eigenständige Kulturformate, die Ausstellungen, Film, Musik, Performance, digitale Medien, wissenschaftliche Reflexion und gesellschaftlichen Diskurs miteinander verbinden.

«Window of the World» in St. Moritz.

Zu den wichtigsten von Riverside Culture entwickelten und produzierten Projekten gehört «Window of the World», das im Pandemiejahr 2020 in St. Moritz realisiert wurde. Das internationale Kunst- und Kulturprojekt präsentierte digitale und medienkünstlerische Arbeiten in der historischen Reithalle sowie in einem eigens errichteten «Digital Village» am Bahnhof St. Moritz. Ausstellungen, Installationen, Live-Musik und Gespräche verbanden sich zu einer Auseinandersetzung mit Digitalisierung, gesellschaftlichem Wandel und der Zukunft des menschlichen Zusammenlebens.

Das Projekt verband internationale Medienkunst mit Fragen des Tourismus, der Digitalisierung und des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Zu den beteiligten Künstlern und Gruppen gehörten unter anderem Marc Lee, Dries Depoorter, Studio Moniker und DISNOVATION.ORG.

Riegel selbst zeigte die Videoinstallation «All Waters Are the Same». Darin verband er Bilder des St. Moritzersees mit Aufnahmen des Mittelmeers und Originaltönen von Rettungseinsätzen. Der als Sehnsuchtsort wahrgenommene Bergsee wurde dem Mittelmeer gegenübergestellt, das für Tausende Flüchtende zur tödlichen Grenze geworden ist. Die Arbeit verdeutlichte, wie geografisch und gesellschaftlich voneinander entfernt erscheinende Lebenswelten durch politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge miteinander verbunden sind.

Gründung und Leitung von DA Z – Digital Arts Zurich.

Ebenfalls 2020 gründete Riegel gemeinsam mit seiner Frau Tanja Hollenstein das Festival DA Z – Digital Arts Zurich. Die Absicht war, in Zürich eine internationale Plattform für digitale Kunst und digitale Kultur aufzubauen. Das Festival präsentierte Medienkunst nicht als technische Spezialdisziplin, sondern als zeitgenössische Kunstform, die zentrale gesellschaftliche Entwicklungen untersucht: künstliche Intelligenz, Virtualität, Überwachung, digitale Identität, ökologische Krisen, soziale Medien und die zunehmende Macht globaler Technologiekonzerne.

Als künstlerischer Leiter und Kurator entwickelte Riegel Ausstellungen, audiovisuelle Konzerte, Performances, Gespräche, Konferenzen sowie Virtual- und Mixed-Reality-Formate. Das Festival arbeitete mit unterschiedlichen Zürcher Kulturinstitutionen zusammen. Zu den Spielorten gehörten das Museum für Gestaltung, das Kunsthaus Zürich, das Opernhaus Zürich, die Wasserkirche und weitere Ausstellungs- und Veranstaltungsräume.

DA Z entwickelte sich zum bedeutendsten Schweizer Festival für digitale Kultur. Neben international etablierten Positionen präsentierte es gezielt junge Künstler und neue experimentelle Formate. Die Verbindung von Kunst, Wissenschaft, Musik, Technologie und gesellschaftlichem Diskurs entsprach Riegels Überzeugung, dass digitale Kultur nicht allein von technischen Innovationen bestimmt werden dürfe. Entscheidend sei vielmehr, wer diese Technologien gestaltet, welche Weltbilder in ihnen wirksam werden und wie sie das Verhalten und die Wahrnehmung der Menschen verändern.

Die fünfte Ausgabe fand 2024 statt. Ergänzt wurde das Festival durch den internationalen DA Z Award, für den 2025 rund 400 Arbeiten aus zahlreichen Ländern eingereicht wurden. Nach fünf Festivalausgaben wurde das Projekt 2025 für beendet erklärt, nachdem keine langfristig tragfähige Finanzierung gesichert werden konnte. Ungeachtet dessen etablierte DA Z in Zürich über mehrere Jahre eine international wahrgenommene Plattform für digitale Kunst und brachte Künstler, Wissenschaftler, Kulturinstitutionen und ein breites Publikum miteinander in Austausch.

«DISRUPTED SCENES» am Opernhaus Zürich.

Im Rahmen von DA Z entstand 2022 die von Riegel inszenierte und von Riverside Culture produzierte experimentelle Oper «DISRUPTED SCENES» auf der Hauptbühne des Opernhauses Zürich. Die Produktion verband klassischen Gesang, elektronische Musik und multimediale Kunst zu einer eigenständigen zeitgenössischen Bühnenform.

Das visuelle Storytelling und die Verbindung unterschiedlicher musikalischer Formen lösten die Grenzen zwischen Konzert, Oper, Performance und Medieninstallation auf. Mit dieser Produktion wurde das Opernhaus Zürich erstmals zu einem Spielort von DA Z. Eine weiterentwickelte Fassung von «DISRUPTED SCENES» wurde 2023 in der Zürcher Wasserkirche gezeigt.

«DISRUPTED SCENES» verdeutlicht exemplarisch den Anspruch von Riverside Culture, unterschiedliche künstlerische Disziplinen zusammenzuführen und traditionelle Kulturinstitutionen für neue digitale Ausdrucksformen zu öffnen.

Daneben entwickelte Riverside Culture weitere Kultur- und Präsentationsformate. Für Mercedes-Benz wurde das experimentelle Konzeptfahrzeug EQXX im Rahmen einer künstlerisch inszenierten Präsentation gezeigt. Mit «DON’T FOLLOW THE MONEY» entstand ein Format, das sich an Künstler und Publikum im Umfeld von NFTs und digitalem Kunsthandel richtete. Es reagierte auf die rasante Kommerzialisierung digitaler Kunst und stellte die Frage nach neuen Möglichkeiten ihrer Produktion, Vermittlung und Bewertung.

Mit «UNFRAMED» konzipierte Riverside Culture zudem eine Plattform für avantgardistische digitale Fotografie. Das Projekt entwickelte neue Formen für die Präsentation, Wahrnehmung und Vermittlung fotografischer Arbeiten. Vorgesehen waren Ausstellungen, Pop-up-Veranstaltungen, digitale Vertriebsformen, ein internationaler Marktplatz und der Aufbau einer Community. Damit griff Riverside Culture die Frage auf, wie Fotografie unter digitalen Bedingungen ausgestellt, gesammelt und einem internationalen Publikum zugänglich gemacht werden kann.

Zum Spektrum gehörten ausserdem Filmvorführungen, Workshops und Gespräche rund um «Why Are We Creative?», das langjährige Filmprojekt des Regisseurs Hermann Vaske über die Ursprünge menschlicher Kreativität. Solche Formate zeigen, dass Riverside Culture kulturelle Veranstaltungen nicht allein als Präsentationen versteht, sondern als Orte der Begegnung, Reflexion und gesellschaftlichen Verständigung.

Riverside Publishing und Riverside Culture folgen somit demselben unternehmerischen Grundgedanken: Kulturelle Inhalte benötigen nicht nur künstlerische Ideen, sondern auch professionelle Strukturen, strategische Planung, geeignete Produktionsmittel und neue Formen der Vermittlung. Während Riverside Publishing vor allem die Veröffentlichung und Verfügbarkeit von Inhalten ermöglicht, entwickelt Riverside Culture temporäre und digitale Räume, in denen Kunst unmittelbar erlebt und diskutiert werden kann.

Für Hans Peter Riegel und Tanja Hollenstein ist kulturelles Unternehmertum mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden. Kultur soll nicht ausschliesslich innerhalb eines spezialisierten Kunstbetriebs stattfinden, sondern unterschiedliche soziale Gruppen, Institutionen und Wissensbereiche zusammenbringen. Riverside Publishing und Riverside Culture bilden deshalb zwei sich ergänzende Instrumente: Das eine bewahrt, dokumentiert und verbreitet kulturelles Wissen; das andere schafft öffentliche Erfahrungen, Begegnungen und Diskurse. Beide Bereiche verbinden inhaltlichen Anspruch mit dem Bestreben, kulturelle Projekte eigenständig, professionell und wirtschaftlich tragfähig zu realisieren.

Unternehmer und strategischer Berater.

Parallel zu seiner Tätigkeit als Autor, Künstler und Kurator war Riegel seit Ende der Neunzigerjahre mit Riverside kontinuierlich als Unternehmer und strategischer Berater tätig. Seit 2020 ist Tanja Hollenstein Mitinhaberin der Riverside-Gruppe. Gemeinsam entwickelten sie das Unternehmen zu einer Beratungs- und Mediengruppe weiter, die strategische Unternehmensberatung, Kommunikation, digitale Medienproduktion und kulturelle Projekte miteinander verbindet.

Unter dem Dach der Riverside AG als Holding wurde zum 1. Juni 2025 die strategische Beratung mit Gründung der Riverside Strategy AG in einer eigenen operativen Einheit gebündelt. 2026 kam die Digital Media AG als weitere operative Einheit hinzu. In ihr wurden mit den Units Riverside Publishing für digitales Publishing sowie Riverside Productions für die Bereiche Film- und Videoproduktion sowie Riverside Culture zusammengeführt.

Riegels Rolle als Chairman der Gruppe liegt insbesondere in der strategischen und kreativen Entwicklung der Unternehmen. Seine Erfahrungen in den Bereichen unternehmerische Investments, Unternehmensführung, Medienproduktion und Kultur ermöglichen ihm einen Blick auf Organisationen, der deutlich über klassische Strategie- und Kommunikationsberatung hinausgeht. Strategie versteht er nicht nur als wirtschaftlichen Plan, sondern als Verbindung von Unternehmenszielen, Identität, gesellschaftlicher Entwicklung und öffentlicher Wahrnehmung.

Dabei zieht sich ein Gedanke durch seine verschiedenen Tätigkeiten: Wirtschaftliche Organisationen, kulturelle Institutionen und Künstler stehen gleichermassen vor der Aufgabe, eine glaubwürdige Haltung zu entwickeln und diese in eine verständliche Form zu übersetzen. Gestaltung und Kommunikation sind für Riegel deshalb keine nachträglich hinzugefügten Elemente, sondern in jeder Phase Bestandteil strategischen Denkens.

Ein Leben zwischen Kunst, Medien und Unternehmertum.

Die Biografie von Hans Peter Riegel lässt sich nicht auf eine einzelne Berufsbezeichnung reduzieren. Er hat als Assistent und Weggefährte eines bedeutenden Künstlers begonnen, als Fotograf und Filmemacher dokumentiert, als Art Director und Texter gearbeitet, internationale Agenturen geführt, Unternehmen mit neunstellingen Jahresumsätzen geleitet, bedeutende Unternehmen und Organisationen beraten, digitale Geschäftsmodelle mitentwickelt, Konzerte und Kulturveranstaltungen produziert, Filme gedreht, Ausstellungen kuratiert und umfangreiche Künstlerbiografien verfasst.

Was auf den ersten Blick wie eine Folge unterschiedlicher Karrieren erscheint, besitzt eine innere Kontinuität. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Wirkung von Bildern, Erzählungen und medialen Systemen. Als Werber untersuchte Riegel, wie Aufmerksamkeit und Markenidentität entstehen. Als Unternehmer beschäftigte er sich mit den strukturellen Veränderungen durch digitale Technologien. Als Medienkünstler analysierte er die Konstruktion von Identität im Internet. Als Biograf überprüfte er die Selbstinszenierungen berühmter Künstler anhand historischer Quellen. Als Kurator schuf er Plattformen, auf denen technologische Entwicklungen künstlerisch und gesellschaftspolitisch befragt werden konnten.

Charakteristisch ist dabei seine Bereitschaft, sich zwischen etablierten Feldern zu bewegen und unterschiedliche Kompetenzen miteinander zu verbinden. Riegels Arbeiten sind häufig von einem kritischen Impuls bestimmt. Sie richten sich gegen vereinfachende Erzählungen, gegen unreflektierte Technikbegeisterung und gegen die Verklärung öffentlicher Figuren. Gleichzeitig beruhen sie auf der Überzeugung, dass Kunst, Kommunikation und unternehmerisches Handeln gesellschaftliche Veränderung ermöglichen können.

Hans Peter Riegel ist Schweizer Staatsbürger, lebt und arbeitet in Zürich. Auch der Sport ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Er ist ein begeisterter und erfolgreicher Sportler, der auf hohem Niveau Ski fährt und Tennis spielt. Als Fussballspieler war er über viele Jahre im hochklassigen Amateurbereich aktiv. Mit verschiedenen Mannschaften gewann er mehrere Meisterschaften in Deutschland und der Schweiz; rund acht Jahre spielte er für den FC Zürich und war für den Hamburger Sportverein - HSV - als Talent-Scout tätig.

Gemeinsam mit seiner Frau Tanja Hollenstein führt er die Riverside-Gruppe, die zu den ersten Adressen für Strategie- und Kommunikationsberatung zählt und deren Digital Media AG mit Riverside Productions zu den outputstärksten Videoproduzenten der Schweiz gehört.

Weiterhin ist er als Autor, Medienkünstler, Kurator und Kulturproduzent tätig. Sein Lebenswerk verbindet künstlerische und kommunikative Avantgarde mit der digitalen Kultur der Gegenwart – und zeigt, wie eng künstlerische Produktion, gesellschaftliche Verantwortung und unternehmerische Initiative miteinander verbunden sein können.